Lackierkabinen

Eine Lackierkabine ist kein Raum, sondern ein Prozessgerät, in dem die Luftströmung geführt wird. Ihre Aufgabe ist dreierlei zugleich: Lacknebel vom Bediener abführen, Staubanlagerung auf dem frischen Film verhindern und während der Applikation eine stabile Luftgeschwindigkeit halten.

So funktioniert der Prozess

Reine Luft tritt über die Deckenfilterdecke in die Kabine ein, sinkt über das Bauteil ab und wird über den Bodenrost abgesaugt. Diese vertikale Strömung führt den Lacknebel unter dem Bauteil ab, nicht um es herum. Die Luftgeschwindigkeit ist eine kritische Balance: zu niedrig, und der Nebel wird nicht abgeführt, die Bedienerbelastung steigt; zu hoch, und zerstäubter Lack wird vom Bauteil weggetragen, was den Auftragswirkungsgrad senkt.

Der aufgefangene Lack wird je nach Kabinentyp auf eine von drei Arten abgeschieden. Wasserwand -Kabinen waschen die Luft mit einem Wasserfilm; bei hohem Durchsatz ist dies die gängigste Lösung, bringt aber eine Wasseraufbereitungslast mit sich. Venturi -Systeme beschleunigen die Luft durch einen verengten Querschnitt; die entstehende Turbulenz bindet die Partikel an das Wasser, der Abscheidegrad ist höher. Trockenfilter -Kabinen verwenden gestufte Karton- und Faserfilter; eine Wasserinfrastruktur entfällt, geeignet für niedrigen und mittleren Durchsatz.

Kriterien für die Auslegung

Wahl des Kabinentyps

Bei hohem Tageslackverbrauch sind Wasserwand- oder Venturikabinen betriebswirtschaftlich im Vorteil, bei geringem Verbrauch die Trockenfilterkabine. Beim Trockenfilter sind Wechselintervalle und Entsorgungskosten einzurechnen.

Luftgeschwindigkeit

In der Praxis wird im Bereich 0,25–0,45 m/s gearbeitet. Mit steigenden Qualitätsanforderungen und dem Einsatz von Metalliclacken wird die Gleichmäßigkeit der Strömung wichtiger als die Geschwindigkeit.

Druckbilanz

Die Kabine wird gegenüber der Umgebung leicht im Überdruck gehalten, damit kein Staub eindringt. Zuluft- und Abluftvolumenströme werden gemeinsam auf diese Bilanz ausgelegt.

Elektrostatische Applikation

Sie erhöht den Auftragswirkungsgrad deutlich und senkt den Lackverbrauch. Das Bauteil muss jedoch erdbar sein und darf durch seine Geometrie keinen Faraday-Käfig-Effekt erzeugen.

Aus der Praxis: Wann gilt die Ausführung als „gut“?

Dass eine Lackierkabine der Spezifikation entspricht, genügt allein nicht; entscheidend für die Beschichtungsqualität ist, wie die Kabine gefertigt und montiert wurde. Im folgenden kurzen Video erläutern wir, nach welchen Kriterien die Ausführung in einer Nasslackanlage beurteilt wird.

Wann gilt die Ausführung in einer Lackieranlage wirklich als “gut”?

Novatek Endüstriyel · YouTube

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Technischer Rahmen

Luftgeschwindigkeit0,25–0,45 m/s
Filtration3-stufig
KabinentypenWasserwand · Venturi · Trockenfilter
ApplikationManuell · automatisch · elektrostatisch
DruckregimeLeichter Überdruck gegenüber der Umgebung
KonformitätEN 12215 · ATEX 2014/34/EU

Die Werte sind branchenübliche Arbeitsbereiche. Jede Anlage wird nach Bauteilgeometrie, Zielkapazität, Lacksystem und Kundenspezifikation neu berechnet.

Häufig übersehene Punkte in der Planung

  • Woher die Zuluft kommt: Es muss so viel Reinluft ins Gebäude gelangen, wie aus der Kabine abgesaugt wird. Ist das nicht geplant, lassen sich Türen rund um die Kabine schwer öffnen und die Heizkosten im Winter steigen unerwartet.
  • Zugang zum Filterwechsel: Ohne sicheren Zugang zum Deckenfilter wird der Wechsel aufgeschoben und die Luftströmung verschlechtert sich. Das Zugangskonzept gehört zur Kabinenkonstruktion.
  • ATEX-Zonengrenze: Beleuchtung, Motoren und Steckdosen in der Kabine müssen der Zoneneinteilung entsprechen; ein nachträglicher Austausch ist teuer.

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