Arbeitskabinen
Arbeitskabinen sind das Qualitätstor der Linie. Was die automatische Applikation nicht erreicht, wird hier vervollständigt, und Fehler werden hier entdeckt. Der Erfolg einer Kabine hängt an zwei Dingen: Der Bediener muss den Fehler sehen können, und die Arbeit darf keinen neuen erzeugen.
Was eine Arbeitskabine ist
Arbeitskabine ist der Sammelbegriff für die kontrollierten Räume einer Lackieranlage, in denen der Bediener das Bauteil von Hand bearbeitet. Der Unterschied zur Lackierkabine: Das Auftragen von Lack ist hier nicht die Hauptaufgabe — gearbeitet wird korrigierend, vorbereitend und prüfend.
Es gibt vier typische Stationen, jede löst ein anderes physikalisches Problem:
- Schleifkabine — erzeugt Staub und muss ihn aus dem Raum entfernen
- Ausbesserungskabine — es wird wenig Lack aufgetragen, sie braucht saubere Luft
- Sealer-/UBS-Kabine — erzeugt schweren Materialnebel, braucht eigene Filtration
- Endkontrollkabine — erzeugt nichts; ihre einzige Aufgabe ist das Sichtbarmachen

Technischer Umfang
Die folgenden Werte sind typische Auslegungsbereiche für Arbeitskabinen. Die endgültigen Werte werden nach Bauteilmaß, Stationstyp und Qualitätsziel der Linie projektiert.
| Luftführung | Decke zu Boden (Downdraft) oder Semi-Downdraft |
|---|---|
| Luftgeschwindigkeit | 0,15 – 0,30 m/s, je nach Stationstyp |
| Luftwechsel | 20 – 60 pro Stunde |
| Druckverhältnis | +10 – +25 Pa (Überdruck gegenüber Umgebung) |
| Zuluftfilter | ISO ePM1 50 – 80 % (früher F7 – F9) |
| Beleuchtung — Ausbessern/Schleifen | 800 – 1.500 lx |
| Beleuchtung — Endkontrolle | 1.500 – 2.500 lx, schattenfreie Verteilung |
| Farbtemperatur | 5.000 – 6.500 K |
| Farbwiedergabe | Ra ≥ 90 (bei Farbbeurteilung ≥ 95) |
| Schleifstauberfassung | An der Quelle: Tisch, Boden oder werkzeugintegriert |
| Sealer / UBS | Eigene Lüftung, eigene Filtration, beheizte Materialleitung |
| Zugänglichkeit | Drehteller oder Hebebühne für Unterbodenarbeiten |
So funktioniert der Prozess
In Ausbesserungs- und Schleifkabinen ist Staub das eigentliche Problem. Schleifpartikel bleiben in der Luft in Schwebe und kehren unter der nächsten Schicht als Blasen zurück. Deshalb wird die Kabine gegenüber ihrer Umgebung im Überdruck gehalten und Schleifplätze werden mit Absaugung an der Quelle ausgestattet.
In der Endkontrollkabine entscheidet die Beleuchtung. Ob ein Oberflächenfehler sichtbar wird, hängt vom Auftreffwinkel des Lichts und davon ab, ob eine schattenfreie Verteilung entsteht. Wird auch die Farbübereinstimmung beurteilt, sind Farbtemperatur und Farbwiedergabeindex normgerecht zu wählen.
Sealer- und UBS-Anwendungen (Unterbodenschutz) arbeiten mit hochviskosem Material und erzeugen erheblichen Nebel. Diese Stationen benötigen typischerweise eigene Lüftung und eigene Filtration.
Schleifkabinen
Die einzige Aufgabe einer Schleifkabine ist es, den erzeugten Staub aus dem Atembereich des Bedieners und von der Bauteiloberfläche zu entfernen. Allgemeine Raumlüftung schafft das nicht allein: Staub muss an der Entstehungsstelle erfasst werden.
Deshalb arbeiten Schleifplätze mit Absaugung an der Quelle — vom Tisch, vom Boden oder direkt aus dem Gehäuse des Handwerkzeugs. Die werkzeugintegrierte Absaugung ist am wirksamsten, weil sie den Staub erfasst, bevor er sich in der Luft verteilt.
Auch die Wahl zwischen Trocken- und Nassschliff verändert die Kabinenauslegung: Nassschliff bindet den Staub, erfordert aber Bodenentwässerung und Abwasserbehandlung.
Ausbesserungskabinen
In der Ausbesserungskabine wird wenig Lack auf kleine Flächen aufgetragen. Das Volumen ist gering, die Anforderung jedoch dieselbe wie bei einer Lackierkabine: gefilterte Zuluft und Überdruck. Andernfalls setzt sich Hallenstaub auf den frischen Lack und die Ausbesserung wird zum neuen Fehler.
Die Trocknung nach dem Ausbessern erfolgt oft im selben Raum mit kurzer Warmluft oder Infrarot. Wird diese Stufe nicht eingeplant, gelangt das Bauteil nass in die Linie und hinterlässt an der nächsten Station eine Kontaktstelle.
Sealer- und UBS-Kabinen
Sealer (Nahtabdichtung) und UBS (Unterbodenschutz) sind dickflüssige, klebrige Materialien. Sie werden mit Airless- oder Airmix-Systemen aufgetragen, meist erwärmt — kaltes Material fließt nicht und verteilt sich ungleichmäßig.
Der entstehende Nebel unterscheidet sich vom Lacknebel: schwerer, klebriger, und er setzt Filter schneller zu. Deshalb werden diese Stationen nicht an die Lüftung der Lackierkabine angeschlossen, sondern erhalten einen eigenen Kreis.
Unterbodenarbeiten erfordern, dass der Bediener unter das Bauteil gelangt. Drehteller oder Hebebühne schaffen diesen Zugang und ersparen dem Bediener dauerndes Bücken — Ergonomie wirkt sich hier unmittelbar auf die Produktivität aus.
Endkontrollkabinen und Lichttunnel
Die Endkontrollkabine trägt nichts auf; ihre einzige Funktion ist es, Fehler sichtbar zu machen. Ihre Auslegung ist damit ein Beleuchtungsproblem.
Fehler wie Orangenhaut, Läufer und Staubeinschlüsse werden erst sichtbar, wenn das Licht die Oberfläche im streifenden Winkel trifft. Senkrecht auftreffendes Licht glättet die Oberfläche optisch und verbirgt den Fehler. Deshalb werden Leuchten im Lichttunnel in unterschiedlichen Winkeln angeordnet, sodass beim Vorbeifahren des Bauteils eine über die Oberfläche wandernde Spiegelung entsteht.
Wird zusätzlich die Farbübereinstimmung beurteilt, ist die Lichtqualität entscheidend. Unter Licht mit geringer Farbwiedergabe können zwei verschiedene Farbtöne gleich aussehen; der Unterschied zeigt sich, wenn die Teile in der Montage nebeneinander liegen — und die Arbeit kommt zurück.
Zugrunde gelegte Normen
- ISO 3668 — Beschichtungsstoffe, visueller Farbvergleich
- EN 12464-1 — Beleuchtung von Arbeitsstätten in Innenräumen
- EN 12215 — Sicherheitsanforderungen an Beschichtungsanlagen
- ISO 16890 — Klassifizierung von Luftfiltern für die allgemeine Raumlufttechnik
- ATEX 2014/34/EU — gilt an Stationen mit lösemittelhaltigem Material
Häufige Fragen
Worin unterscheiden sich Arbeitskabine und Lackierkabine?
Die Lackierkabine ist der Ort des eigentlichen Lackauftrags und entsprechend ausgelegt: hoher Luftvolumenstrom, Lackabscheidefilter, oft eine Trocknungsstufe. Die Arbeitskabine dient dem Korrigieren, Vorbereiten und Prüfen. Ihr Luftvolumenstrom ist geringer, ihr Beleuchtungsbedarf höher.
Warum wird die Kabine im Überdruck gefahren?
Ist der Druck in der Kabine höher als außen, strömt Luft von innen nach außen. Öffnet sich eine Tür oder entsteht ein Spalt, kann kein Hallenstaub eindringen. In einer Kabine im Unterdruck geschieht das Gegenteil: Jede Öffnung saugt Staub an, der sich auf der frischen Oberfläche absetzt.
Welche Beleuchtung braucht eine Endkontrollkabine?
Werden nur Fehler gesucht, genügen für die meisten Anwendungen 1.500 lx mit schattenfreier Verteilung. Wird auch die Farbübereinstimmung beurteilt, sind Farbtemperatur und Farbwiedergabe normgerecht zu wählen; dann wird Ra ≥ 95 gefordert. Der Leuchtenwinkel ist wichtiger als die Lichtstärke.
Können Schleifen und Ausbessern in derselben Kabine erfolgen?
Bei geringem Volumen wird es gemacht, ideal ist es nicht. Schleifen erzeugt Staub, Ausbessern verlangt saubere Luft; beides kollidiert im selben Raum. Lässt es sich nicht trennen, ist zwischen den Arbeitsgängen eine Wartezeit vorzusehen und die Kabine in dieser Zeit zu spülen.
Lässt sie sich in eine bestehende Linie nachrüsten?
Ja. Arbeitskabinen werden häufig nicht in der Linie, sondern daneben aufgestellt, was die Integration in eine bestehende Anlage erleichtert. Entscheidend sind der Zugang zur Außenwand für die Lüftung und ein Punkt, an dem Bauteile den Förderer verlassen können.
Unser Leistungsumfang
- Ausbesserungs- und Schleifkabinen (mit Absaugung an der Quelle)
- Endkontrollkabinen und Lichttunnel
- Sealer-/UBS-Applikationskabinen
- Staubkontrolle, Druckhaltung und Bedienerergonomie
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